- Ein Koaleszenzabscheider ist ein Leichtflüssigkeitsabscheider der Klasse I nach DIN EN 858-1, der feinste Öltröpfchen aus dem Abwasser trennt – dort, wo ein herkömmlicher Ölabscheider an seine Grenzen stößt.
- Die Abscheidung basiert auf dem Koaleszenz-Prinzip. Restölgehalt im Ablauf: maximal 5 mg/l (Klasse II: ≤ 100 mg/l).
- Gesetzliche Grundlage für Einbau und Betrieb: DIN 1999-100 und DIN EN 858. Pflicht überall dort, wo wassergefährdende Flüssigkeiten anfallen.
- Betreiber müssen monatliche Eigenkontrollen, halbjährliche Wartungen und eine Generalinspektion alle fünf Jahre sicherstellen.
- Wer die Wartungspflichten vernachlässigt, riskiert Bußgelder bis hin zur Stilllegung der Abscheideranlage.
Auf dem Gelände Ihrer Kfz-Werkstatt oder Tankstelle fällt täglich Schmutzwasser an, das mineralische Leichtflüssigkeiten wie Öle, Benzin oder Diesel enthält. Ein Koaleszenzabscheider verhindert, dass diese Flüssigkeiten in die Kanalisation oder in Gewässer gelangen. Doch was genau unterscheidet diesen Leichtflüssigkeitsabscheider vom herkömmlichen Benzinabscheider? Und welche Pflichten kommen auf Sie als Betreiber zu?
Hier erfahren Sie, wie ein Koaleszenzabscheider funktioniert, wann der Einbau vorgeschrieben ist und welche Regeln bei Wartung und Kontrolle gelten. So können Sie beurteilen, ob Ihre Abscheideranlage die gesetzlichen Anforderungen erfüllt – und wann es Zeit ist, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen.
Was ist ein Koaleszenzabscheider?
Ein Koaleszenzabscheider ist ein Leichtflüssigkeitsabscheider, der mineralische Leichtflüssigkeiten wie Öle, Benzin und Diesel physikalisch vom Wasser trennt. Er gehört zur Gruppe der Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten und stellt eine Weiterentwicklung des klassischen Ölabscheiders (auch Benzinabscheider oder Mineralölabscheider genannt) dar.
Die Funktion basiert auf dem Prinzip der Koaleszenz: Das vorbehandelte Wasser strömt durch ein feinporiges Koaleszenzelement. An diesem Material haften winzige Öltröpfchen an und fließen zusammen – sie koaleszieren zu größeren Tropfen. Diese größeren Tropfen haben aufgrund ihrer geringeren Dichte im Vergleich zum Wasser genug Auftrieb, um an die Wasseroberfläche aufzusteigen, wo sie als Schwimmschicht aufgefangen werden. Das saubere Wasser wird am Boden des Behälters abgezogen und über die Tauchwand in die Kanalisation geleitet.
Ölhaltiges Abwasser fließt über den Schlammfang in den Abscheider. Grobe Feststoffe setzen sich bereits hier am Boden ab.
Feine Öltröpfchen haften am Koaleszenzelement an und wachsen durch Zusammenfließen zu größeren Tropfen. Adsorption und Koaleszenz wirken zusammen.
Die großen Öltropfen steigen an die Wasseroberfläche auf und bilden eine Schwimmschicht. Gereinigtes Wasser fließt über die Tauchwand ab.
Neben der Koaleszenz nutzt die Anlage auch die physikalischen Prinzipien der Schwerkraft und der Adsorption, um selbst mikroskopisch kleine Tröpfchen effektiv abzutrennen. Die Trennung gelingt, weil sich die Dichte von Leichtflüssigkeiten deutlich von der Dichte des Wassers unterscheidet. Moderne Koaleszenzelemente arbeiten dabei materialschonend und sind teilweise selbstreinigend, was den Wartungsaufwand reduziert.
Alle Leichtflüssigkeitsabscheider mit Zulassung zum Einbau ins Erdreich müssen nach der EU-Bauproduktenverordnung über eine CE-Kennzeichnung und eine Leistungserklärung verfügen. Die CE-Kennzeichnung bestätigt die Konformität mit den europäischen Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltschutzanforderungen.
Unterschied zum Ölabscheider
Die Begriffe Ölabscheider, Benzinabscheider und Koaleszenzabscheider werden oft austauschbar verwendet – dabei handelt es sich um technisch unterschiedliche Abscheideranlagen mit deutlich verschiedener Reinigungsleistung. Alle drei sind Leichtflüssigkeitsabscheider, also Anlagen, die mineralische Leichtflüssigkeiten vom Abwasser trennen, bevor dieses in die Kanalisation gelangt. Die Anforderungen an Bauart und Leistung sind in der DIN EN 858-1 (Produktnorm) und der DIN EN 858-2 (Prüfverfahren) geregelt.
Ein herkömmlicher Ölabscheider der Klasse II arbeitet ausschließlich nach dem Schwerkraftprinzip: Leichtflüssigkeiten sind aufgrund ihrer geringeren Dichte leichter als Wasser, steigen nach oben und werden dort abgeschöpft. Das funktioniert bei größeren, frei schwimmenden Öltropfen zuverlässig. Sobald aber Öl unter Hochdruck mit Wasser vermischt wird – etwa beim Einsatz von Hochdruckreinigern in der Kfz-Werkstatt – entstehen so feine, emulgierte Tröpfchen, dass die Schwerkraft allein nicht ausreicht.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Koaleszenzstufe: Sie ermöglicht eine deutlich höhere Reinigungsleistung – besonders bei emulgierten Ölen und Benzin, die unter Hochdruck mit Wasser zerstäubt werden. In Koaleszenzabscheidern werden kleinste Öl- und Benzintröpfchen durch gezielte Strömungen zu größeren Tropfen zusammengeführt, was die Abscheidewirkung erheblich verbessert.
| Kriterium | Ölabscheider (Klasse II) | Koaleszenzabscheider (Klasse I) |
|---|---|---|
| Trennprinzip | Schwerkraft | Schwerkraft + Koaleszenz + Adsorption |
| Restölgehalt im Ablauf | ≤ 100 mg/l | ≤ 5 mg/l |
| Norm-Klasse (DIN EN 858) | Klasse II | Klasse I |
| Emulgierte Öle abscheidbar | Nein | Ja |
| Geeignet für Hochdruck | Nein | Ja |
| Typischer Einsatz | Parkplätze, Abstellflächen | Kfz-Werkstätten, Tankstellen, Waschanlagen |
| Nenngröße (üblich) | NS 3 – NS 15 | NS 3 – NS 15 |
Was heißt das für Sie? Wenn in Ihrem Betrieb Hochdruckreiniger, Dampfstrahler oder Autowaschanlagen zum Einsatz kommen, reicht ein einfacher Ölabscheider nicht aus. Die zuständige Wasserbehörde schreibt in solchen Fällen einen Koaleszenzabscheider der Klasse I vor. Auch bei der Verarbeitung von Biodiesel oder Bioheizöl gelten besondere Anforderungen an die Abscheideranlage – hier muss der sogenannte FAME-Faktor bei der Auslegung berücksichtigt werden.
Wer braucht einen Koaleszenzabscheider?
Der Einbau und Betrieb eines Leichtflüssigkeitsabscheiders ist für alle Flächen vorgeschrieben, an denen wassergefährdende Stoffe in Form von Leichtflüssigkeiten anfallen – geregelt in der DIN 1999-100 und DIN EN 858, umgesetzt über die jeweilige kommunale Entwässerungssatzung. Koaleszenzabscheider sind gesetzlich dort vorgeschrieben, wo mineralölhaltiges Abwasser anfällt und in das öffentliche Netz geleitet wird. Wichtig: Diese Abscheideranlagen sind ausschließlich für mineralische Leichtflüssigkeiten ausgelegt – pflanzliche und tierische Fette erfordern einen separaten Fettabscheider.
Faustregel: Sobald auf Ihrem Betriebsgelände Hochdruckreiniger mit mehr als 60 bar Druck zum Einsatz kommen, schließt die DIN EN 858 den alleinigen Betrieb eines einfachen Ölabscheiders aus. Ab diesem Schwellenwert ist ein Koaleszenzabscheider der Klasse I erforderlich.
Ob Ihr Betrieb konkret einen Koaleszenzabscheider benötigt oder ob ein Ölabscheider der Klasse II ausreicht, hängt von der Einleitgenehmigung Ihrer Kommune und der Art der anfallenden Flüssigkeiten ab. Die Grundlage für die Zulassung bildet immer die jeweilige kommunale Entwässerungssatzung. Im Zweifel lohnt sich eine kurze Rücksprache mit einem Fachbetrieb, der Ihre Situation vor Ort beurteilen, passende Lösungen empfehlen und Ihnen ein konkretes Angebot machen kann.
Wartungspflichten nach DIN 1999-100
Leichtflüssigkeitsabscheider müssen regelmäßig überprüft werden – einschließlich monatlicher Eigenkontrollen, halbjährlicher Wartungen und einer Generalinspektion alle fünf Jahre, wie in der DIN 1999-100 festgelegt. Die DIN EN 858-2 ergänzt die Anforderungen an Betrieb und Wartung. Diese Pflichten gelten für alle Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten, unabhängig von Klasse und Nenngröße. Als Betreiber sind Sie persönlich für die Einhaltung verantwortlich.
- Sichtkontrolle des Zu- und Ablaufbereichs
- Prüfung des Wasserstands vor und hinter dem Koaleszenzeinsatz
- Kontrolle der Schwimmer- und Warneinrichtung
- Entfernung grober Schwimmstoffe
- Dokumentation im Betriebstagebuch
- Koaleszenzeinsatz auf Durchlässigkeit und Beschädigungen prüfen
- Schlammfang entleeren
- Ölschicht messen und fachgerecht entsorgen
- Gesamte Anlage auf Dichtheit und Funktion kontrollieren
- Wasserprobe aus dem Probenahmeschacht
- Anlage mit Frischwasser befüllen
- Vollständige Entleerung und Reinigung
- Dichtheitsprüfung der gesamten Abscheideranlage
- Durchführung durch unabhängige Fachkundige
- In Wasserschutzgebieten: alle 2,5 Jahre
Alle Prüfungen müssen im Betriebstagebuch festgehalten werden. Die Aufbewahrungspflicht für Entsorgungsnachweise beträgt mindestens drei Jahre. Bei Verstößen drohen Bußgelder nach dem Wasserhaushaltsgesetz – und im Fall einer Verunreinigung von Gewässern oder Grundwasser haften Sie als Betreiber persönlich.
Was kostet die Wartung eines Koaleszenzabscheiders?
Die Kosten für die Wartung richten sich nach der Nenngröße Ihrer Anlage, dem Standort und dem Entsorgungsaufwand. Als Orientierung:
| Leistung | Richtwert |
|---|---|
| Halbjährliche Wartung (inkl. Eigenkontrolle) | ca. 200–500 € |
| Entsorgung Öl-Wasser-Gemisch und Schlamm | ca. 150–400 € je Entsorgung |
| Generalinspektion (alle 5 Jahre) | ca. 500–1.200 € |
| Laufende Jahreskosten (Wartung + Entsorgung) | ca. 500–1.500 € |
Der tatsächliche Preis hängt vom Verschmutzungsgrad und der Menge der zu entsorgenden Stoffe ab. Manche Betreiber sparen an der regelmäßigen Wartung – und zahlen am Ende deutlich mehr: Eine vernachlässigte Anlage führt zu verstopften Koaleszenzeinsätzen, behördlichen Auflagen und teuren Nachrüstungen. Die Anschaffungskosten für einen neuen Koaleszenzabscheider zum Einbau ins Erdreich liegen je nach Nenngröße und Produkt zwischen ca. 2.000 € und 20.000 €. Dazu kommen Komponenten wie das teleskopische Aufsatzstück zur Anpassung an das Bodenniveau. All das sind Investitionen, die sich durch regelmäßige Pflege langfristig schützen lassen.
Bühner Kanalservice kalkuliert transparent. Rufen Sie uns an – wir nennen Ihnen einen konkreten Preis für Ihre Anlage.
Was heißt das für Sie?
Ein Koaleszenzabscheider ist gesetzliche Pflicht für Gewerbebetriebe, in denen mineralische Leichtflüssigkeiten anfallen. Ohne regelmäßige Wartung und Kontrolle riskieren Sie als Betreiber Bußgelder und teure Folgeschäden – von behördlichen Auflagen bis zur Stilllegung der Anlage.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Anlage den aktuellen Anforderungen nach DIN 1999-100 und DIN EN 858-1 entspricht, oder wenn die nächste Wartung ansteht: Rohr und Kanalservice Bühner ist als zertifizierter Fachbetrieb in Essen, Iserlohn und Umgebung für Sie da. Wir übernehmen die halbjährliche Wartung, die Entsorgung und die Generalinspektion Ihres Leichtflüssigkeitsabscheiders – fachgerecht und zu transparenten Konditionen. Als Familienbetrieb sind wir rund um die Uhr erreichbar – auch im Notfall.


